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Darf ich ein Manuskript, das ich in einer wissenschaftlichen Zeitschrift oder in einem Sammelband veröffentlicht habe, in einem so genannten Open Archive selbst archivieren?

Überblick Detaillierte Antwort
Deutschland: Überblick: Deutsch

1. Allgemein

 

Vorab ist in Zusammenhang mit der gegenständlichen Frage darauf hinzuweisen, dass die so genannten „Open Archives“ (zum Begriff der Open Archives siehe "Open Archiv") keine Archive (zum urheberrechtlichen Archivbegriff siehe Archive) im Sinne des deutschen Urhebergesetzes darstellen. Eine Variante der offenen Archive, nämlich jene der OAI (Open Archives Initiative) sieht vor, dass die Urheber ihre Werke ausschließlich selbst in das offene Archiv online stellen. Diese Vorgehensweise lässt sich mit der Funktionalität von so genannten Creative Commons vergleichen (zum Begriff und Inhalt der Creative Commons im Detail siehe "Open Archiv"). Für die Nutzung von Inhalten in elektronischen Kommunikationsnetzen sind das Vervielfältigungs-, das Verbreitungs- und das Senderecht, das Recht der öffentlichen Zugänglichmachung sowie die Befugnis zur Bearbeitung und sonstigen Werkumgestaltungen als zentrale Rechte des Urhebers zu nennen (zur entsprechenden urheberrechtlichen Begriffsbestimmung siehe im Detail Schutz von Online Content). Stellt ein Urheber ein Werk zum freien Abruf durch die Internet-Benutzer ins Internet, so ist dies als Ausübung des Veröffentlichungsrechts zu verstehen, soweit es sich nicht um eine geschlossene Benutzergruppe handelt zum Begriff der Veröffentlichung sowie zu deren urheberrechtlicher Beurteilung im Detail siehe Schutz von Online Content).

 

2. Rechte des Verlegers

 

Im Zusammenhang mit der gegenständlichen Fragestellung ist zu beachten, dass auch die rechtliche Position des Verlegers einer Selbstarchivierung eines Manuskripts in einem Open Archive im Weg stehen kann (zur Frage, ob man eine bereits gedruckte Veröffentlichung ins Internet stellen darf, ohne den Verlag zu fragen sowie zur Rechtsposition des Verlegers siehe im Detail Online Rechte im Verlagsvertrag). Gestattet der Urheber die Aufnahme des Werkes in eine periodisch erscheinende Sammlung, so erwirbt der Verleger oder Herausgeber im Zweifel ein ausschließliches Nutzungsrecht zur Vervielfältigung und Verbreitung (zur Frage, welche Möglichkeiten bestehen, um ein Werk wirtschaftlich zu nutzen, siehe wirtschaftliche Nutzung von Werken). Jedoch darf der Urheber das Werk nach Ablauf eines Jahres seit Erschienen anderweit vervielfältigen oder verbreiten, wenn nichts anderes vereinbart ist. Dies gilt auch für Beiträge zu einer nicht periodisch erscheinenden Sammlung, für dessen Überlassung dem Urheber kein Anspruch auf Vergütung zusteht. Wird der Beitrag einer Zeitung überlassen, so erwirbt der Verleger oder Herausgeber ein einfaches Nutzungsrecht, wenn nichts anderes vereinbart ist. Räumt der Urheber ein ausschließliches Nutzungsrecht ein, so ist er sogleich nach Erscheinen des Beitrages berechtigt, ihn anderweitig zu vervielfältigen oder zu verbreiten, wenn nichts anderes vereinbart ist.

 

Wird ein Manuskript in einer wissenschaftlichen Zeitschrift oder einem Sammelband veröffentlicht, so ist für die Abgrenzung des Inhalts und Umfanges der dem Verleger zugewiesenen Rechtsposition gegenüber dem Verfasser zu beachten, dass diese meist im Verlagsvertrag abschließend geregelt ist (zum Inhalt von Verlagsverträgen und deren urheberrechtlichen Beurteilung im Detail siehe die Expertenantwort zu dieser Frage).

 

3. Ergebnis

 

Zusammenfassend kann festgehalten werden, dass man als Urheber eines Werkes, dieses durchaus in einem Open Archive selbst archivieren kann, wenn der Archivierung nicht die Rechte Dritter im Wege stehen (siehe Punkt 2.). Wie die Rechtsposition des Verlegers in diesem Zusammenhang zu beurteilen ist, richtet sich nach dem zugrunde liegenden Vertragsverhältnis zwischen Verfasser (Urheber) und Verleger. Parteien des Verlagsvertrages sind der Verfasser eines Werkes der Literatur oder der Tonkunst und der Verleger oder Herausgeber. Die Rechte und Pflichten der Parteien des Verlagsvertrages richten sich in erster Linie nach den Vertragsbestimmungen. Das Verlagsgesetz enthält ein bestimmtes Grundmuster, welches dann gilt, wenn die Parteien nichts anderes vereinbart haben.

 

Die Bezeichnung „offenes“ Archiv ist allerdings irreführend, da man aus der Bezeichnung allein nicht schließen darf, dass die darin enthaltenen Informationen kostenlos bzw. frei verfügbar sind. Eine abschließende urheberrechtliche Beurteilung ist vielmehr von den Nutzerbedingungen sowie den konkreten Inhalten der einzelnen Konzeptionen des jeweiligen offenen Archivs abhängig. Da sich das Projekt jedoch derzeit in einer Entwicklungsphase befindet, besteht die Möglichkeit, aktuelle und detaillierte Informationen unter www.open-archives.org zu erhalten.


Erfahren Sie Genaueres in der Detailantwort: Selbstarchivierung
AutorInnen: Anika Loskot
Erstellt: 21.07.2009 11:07
Zuletzt geändert: 28.08.2009 16:19





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